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Medizin ist männlich

PixelquelleKrankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, entsprechend unterschiedlich müssten Dosierung oder Auswahl der Behandlungsmethoden und Medikamente sein. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Viele Studien schließen Frauen als Probanden sogar aus – ihr Hormonhaushalt macht Auswertungen zu kompliziert. Beipackzettel empfehlen daher immer noch die "männliche Dosierung".

In der ärztlichen Praxis und in der medizinischen Forschung sind Geschlechtsunterschiede bislang wenig bekannt und beachtet. Erst jüngst wurde – durch Zufall – entdeckt, dass Frauen bei Operationen mehr Narkosemittel benötigen und früher aus der Narkose aufwachen als Männer. Bei Frauen zeigt sich beispielsweise auch der Herzinfarkt anders als bei Männern: Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen oder akute heftige Atemnot sind klassische Symptome eines Herzinfarktes bei Frauen. Das Unwissen darüber hat schwerwiegende Konsequenzen: Frauen kommen später in die Klinik als Männer, da sie nicht die herzinfarkttypischen Beschwerden wie Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm ausstrahlen, aufweisen. Herzinfarkttypisch meint hier die männlichen Symptome.

In der medizinischen Forschung werden Frauen als Probanden durchschnittlich nur bei etwa einem Viertel der Studien eingesetzt. Unterschiede können so in der Regel gar nicht erst wahrgenommen werden. Bei 422 Studien, die das wichtige Wissenschaftsblatt New England Journal of Medicine zwischen 1994 und 1999 veröffentlichte, gehörten in nur 24,6 % der Fälle Frauen zu den Untersuchten. Viele Forscher befürchten, dass der weibliche Hormonhaushalt die Auswertung zu kompliziert macht.

Die medizinische Hochschule Hannover (MHH) nimmt sich dieser Problematik nun verstärkt an. Mehrere – von Frauen geleitete – Teams wollen geschlechtsspezifisches Wissen in der Medizin zunächst einmal sichten und sammeln.

Eine bessere gesundheitliche Versorgung für Frauen und eine geschlechtergerechte medizinische Forschung ist auch das Anliegen des "19,6-Millionen-Klubs". Der gemeinnützige Verein orientiert sich am schwedischen Vorbild und will Mediziner, Forscher und Verbraucherinnen für dieses Thema sensibilisieren.

(nm)

 
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